Zang-Fu-Funktionskreis

San Jiao, 3-Erwärmer (Fu-Organ)

Funktionen:

  • der San Jiao ist der Beamte, der einen Abfluss für die Wasserwege schafft
  • so können die Flüssigkeiten ihren natürlichen Verlauf nehmen!“

Clavey (2004) übersetzt diese Stelle folgendermaßen:
„Der San Jiao ist der Beamte, der für die Bewässerung zuständig ist, er ist der Ort, von dem aus die Pfade der Flüssigkeiten entspringen“

Nach Qu et. al. (2005) wurde im Altertum für San Jiao nur der Begriff Jiao verwendet, der folgendermaßen definiert wurde:

1. ein spezieller Begriff für den San Jiao
2. Muskeln verfehlen es, die Hülle zu füllen

Damit werden Räume (bzw. Zwischenräume) beschrieben, wo die Muskeln die Hülle des Körpers nicht ausfüllen. Diese Räume bilden große Höhlen im Körperstamm und kleinere Zwischenräume im gesamten Körper, d.h., sie schließen in ihrer Ausdehnung den ganzen Körper (auch die Extremitäten) mit ein. Oft werden unter San Jiao – den drei „brennenden“ bzw. „heißen Räumen“ – nur die drei Hauptregionen des Körperstamms verstanden. Tatsächlich umfasst der San Jiao aber alle Körperhöhlen und -zwischenräume. Der obere, mittlere und untere Jiao ist in der Brust-, Bauch- und Beckenhöhle lokalisiert, die anderen kleineren (zum Konzept des San Jiao gehörenden) Zwischenräume, die über den gesamten Köper verteilt sind, werden Cou genannt.

Durch das Wegenetz des San Jiao werden physiologische und pathologische Flüssigkeiten im ganzen Körper verteilt. Er hat dabei eine Koordinationsfunktion bei Bewegung und Metabolismus der Körperflüssigkeiten (Jin Ye) sowie des Qi. Im Gegensatz zu den Fu-Organen (die v.a. durch ihre hohle Form und Gestalt gekennzeichnet sind) gilt der San Jiao zwar als das größte Fu, hat aber keine festgelegte bzw. übliche Gestalt oder Größe, sondern hält stattdessen die anderen Zang-Fu. Nach dieser Vorstellung entspricht der San Jiao eher einem großen Gefäß, das alle inneren Organe enthält, diese untereinander in ihrer Funktion koordiniert und sich zudem in drei Bereiche teilt, einen oberen, mittleren und unteren Jiao.Nach dem Jin Gui Yao Lüe „ist das Cou jener Ort des San Jiao, wo ein Durchgang und ein Zusammenlaufen von Yuan-Qi und Zhen-Qi stattfindet, gefüllt mit Blut und Qi.“ Der Begriff Cou Li beinhaltet demnach die Vorstellung, dass diese Strukturen ein Netzwerk bilden, das sich durch den ganzen Körper zieht. Die Li, die Gewebemaserungen und deren Verteilung, verbinden dabei Oberes und Unteres, Inneres und Äußeres, Oberflächliches und Tiefes. Die Cou, die Zwischenräume, sind zwischen diesen Körpergeweben und Texturen lokalisiert. Demnach ist Cou Li ein anatomischer Begriff, assoziiert mit der Maserung (Li) von Haut, Muskeln, Zang-Fu etc. und den interstitiellen Räumen (Cou), die sich durch diese Strukturen bzw. Texturen ziehen und miteinander in Verbindung treten (vgl. Qu Lifang et. al. 2005, Larre und Rochat de la Vallée 1986).
Die Cou Li sind also auch die Striae bzw. Kompartimente zwischen Haut und Muskeln, die als Pforte für den Ein- und Austritt von Qi und Flüssigkeiten sowie als Schutz gegen das Eindringen äußerer Pathogene dienen und in denen u.a. auch das Abwehr-Wei-Qi zirkuliert. Das Cou Li verbindet als äußerste der körperumfassenden Hüllen des San Jiao die Körperoberfläche mit dem Inneren und durchzieht den ganzen Körper. Nach Larre und Rochat de la Vallée (1986) wird mit dem Begriff „Diaphragma“ als der innere Aspekt des San Jiao nicht nur eine Membranbarriere zwischen Thorax und Abdomen beschrieben, sondern ein ganzer „Sack voller Membranen“, ein Höhlennetzwerk, das Peritoneum, Pleura und Perikard mit 

umschließt (vgl. Nielsen 1995). Das Wasserwegenetz des San Jiao kooperiert mit den Cou Li oberhalb auf der Ebene von Haut und Fleisch, um die Körpertemperatur durch Schwitzen zu kontrollieren, und unterhalb mit der Ausscheidungsfunktion der Blase, um die Körperflüssigkeiten (Jin Ye) im Gleichgewicht zu halten. Durch die Öffnung der Cou Li wird der Körper über den Schweiß abgekühlt bzw. wird überschüssiges Wasser aus dem System entfernt. Sind sie geschlossen, muss das „überschüssige“ Wasser über die Blase ausgeschieden werden. Der erste Prozess betont die Regulierung der Körpertemperatur, der zweite die Regulierung der Körperflüssigkeiten. Beide hängen jedoch zusammen, denn die Flüssigkeiten (als Yin-Aspekt) sind das, was den Körper abkühlt. Pathologisch betrachtet führt ein zu starker Verlust auf Dauer zu einer Überhitzung des Körpers (als relativer Yang-Überschuss). Zu bedenken ist auch, dass der Körper über das Schwitzen nicht nur Schweiß (als Körperflüssigkeit), sondern auch Yang-Qi verliert.

Die energetischen Verästelungen dieses Netzwerks (oben, unten, innen, außen) beschreiben die physiologischen Einflüsse des San Jiao (Auf- und Absteigen, Aufnehmen und Abgeben). Auf der Körperoberfläche unterstützen die Cou Li mit dem Abwehr-Wei-Qi den Widerstand gegen äußere Angriffe. Der San Jiao umfasst jedoch auch alle Einflüsse auf das Innere und vermittelt hier, was durch seine Lokalisation und Struktur unterstützt wird, die eben nicht auf bestimmte Organe und Körperregionen beschränkt sind. Er ist sowohl das Passagenetz für das Qi und ein Ort für die Qi-Umwandlung (Qi-Hua) als auch für den Transport transformierten (klaren und trüben) Materials, das von den Zang-Fu und deren Geweben erzeugt wird. Damit gilt er sowohl als der Pfad der physiologischen und pathologischen Körperflüssigkeiten als auch des Qi, was sich nicht auf das Yuan-Qi beschränkt, sondern verschiedenste Qi-Formen wie Nähr-Ying-Qi, Ursprungs-Yuan-Qi, Abwehr-Wei-Qi etc. mit einschließt. Der San Jiao ist also sowohl eine („formlose“) Struktur, in der sich Flüssigkeiten bewegen, als auch eine Straße für die Qi-Bewegung, das darüber aufsteigen und absinken sowie aus- und eintreten kann. Der San Jiao muss als Pfad somit durchgängig sein für das Absteigen des Herz-Yang (Herz-Feuer) zur Erwärmung des Nieren-Yang und für das Aufsteigen des Nieren-Yin (Nieren-Wassers) zur Kühlung des Herz-Yang und ist daher mit beteiligt an einer regelrechten Kommunikation zwischen Herz und Niere.

Der Obere Jiao liegt oberhalb des Zwerchfells. Er enthält das Herz und die Lunge und verteilt Flüssigkeiten in Form von feinem Nebel bzw. Dampf zur erfrischenden Befeuchtung im ganzen Körper.

Der Mittlere Jiao liegt zwischen Zwerchfell und Bauchnabel, enthält den Magen und die Milz. Hier wird die Nahrung aufgenommen und über den San Jiao als Nahrungsessenz im ganzen Körper verteilt. In diesem Bereich hat er den Charakter eines „großen Kochtopfs“.

Der Untere Jiao liegt unterhalb des Bauchnabels. Er enthält Dünn- und Dickdarm, die Nieren und die Harnblase, manchmal wird auch die Leber dazugezählt. Seine Funktion in diesem Bereich ist die Trennung von Klarem/Trübem, Nützlichem/Unnützem. Hier werden die körperlichen Abfälle über Blase und Dickdarm ausgeschieden und er entspricht der Abflussrinne bzw. Kläranlage des Körpers.

San Jiao als Straße des Yuan-Qi

Über das Wegenetz des San Jiao wird das Ursprungs-Yuan-Qi durch den Körper zu den anderen Organen und an die Körperoberfläche in die Meridiane verteilt und kann an den Ursprungs-Yuan-Qi-Punkten angesprochen werden.

Hohl-Fu-Organ

Der San-Jiao-Meridian gehört zu den sogenannten Fu-Organen.
Fu kann übersetzt werden als Palast, Regierungssitz oder Verwaltungszentrum. Das chinesische Schriftzeichen für Fu beinhaltet „Fleisch“ und „Regierungspalast“. Unterschieden werden sechs Hohlorgane (Liu Fu): Dünndarm (Xiao Chiang), Dickdarm (Da Chang), Harnblase (Pang Guang), Magen (Wei), Gallenblase (Dan). Sie schließen auch den San Jiao mit ein.

Die Fu-Organe sind hohl und verantwortlich für die Aufnahme und Speicherung von Nahrung und Flüssigkeiten, für

die Weiterleitung und Absorption der Umwandlungsprodukte sowie für die Ausscheidung der Abfallprodukte. Die Fu werden ständig gefüllt und wieder geleert und haben eine den Zang-Organen zu- und von ihnen ableitende Funktion. Sie gehören in Relation zu den Zang-Organen eher zum Yang-Aspekt des Körpers. In der Therapie ist es oft wichtig, die Fu-Organe für ihre Funktion wieder durchgängig zu machen und zu halten.

Zuordnungen

Wandlungsreich: Feuer
Himmelsrichtung: Süd
Geschmacksrichtung: bitter
Jahreszeit: Sommer
Umwandlung: Wachstum
Tageszeit: Mittag
Witterung: Hitze
Wandlungsphase: starkes Yang
Zang-(Yin / Speicher-)Organ: Herz
Fu-(Yang- / Hohl-)Organ: Dünndarm
Sinne: sprechen
Sinnesorgan: Mund
Körpergewebe: Blutgefäße
Emotion: Freude
Körperflüssigkeit: Schweiß
Lautäußerung: lachen

Organuhr

11 bis 13 Uhr – Herzmeridian (Yin) – Kaiserliches Feuer
19 bis 21 Uhr – Perikardmeridian (Yin) – Ministerielles Feuer
13 bis 15 Uhr – Dünndarmmeridian (Yang) – Kaiserliches Feuer
21 bis 23 Uhr – Dreifacher-Erwärmer-Meridian (Yang) – Ministerielles Feuer

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