Konzept des Mingmen

  • jeder Funktionskreis hat einen Yin- und einen Yang-Aspekt
  • diese Aussage ist im Falle des Funktionskreises der Niere noch etwas zu spezifizieren
  • im Funktionskreis der Niere integriert ist ein funktionelles Zentrum, das Ming Men (Porta fortunae, Tor der Vitalität)
  • über seine Bedeutung herrscht in der chinesischen Medizin nicht Einmütigkeit, bzw. es hat sich in der historischen Entwicklung ein gewisser Bedeutungswandel eingestellt
  • einige neuere Theoretiker bewahren allerdings noch die älteste Erklärung, die aus dem Nan Jing (Kap. 36/39) stammt
  • dort wird unterschieden zwischen rechter und linker Niere
  • während die linke Niere die eigentlichen Nierenfunktionen übernimmt, wird die rechte als Ming Men definiert
  • das Ming Men hat einen direkten Bezug zum Yuan Qi und gilt als Sitz des Shen
  • es ist Speicher des Jing beim Manne und hat bei der Frau eine Verbindung mit dem Uterus
  • die Eigenständigkeit des Ming Men geht im Nan Jing so weit, dass es als sechster Yin-Funktionskreis geführt wird
  • diese Bedeutung spiegelt sich noch in der Pulsdiagnostik, wo der Funktionskreis der Niere zwei Pulsstellen hat, wobei die rechte explizit dem Ming Men zugeordnet wird
  • Theoretiker der Ming-Zeit, allen voran Zhang Jie Bin, gehen einen Schritt weiter, sie lokalisieren das Ming Men als ein funktionelles Zentrum, das zwischen den beiden Nieren liegt
  • Zhao Xian He, ein Autor des 17. Jahrhunderts, weitet diese Theorie aus und ordnet dem Ming Men die Kontrolle über praktisch alle funktionellen Aktivitäten des Körpers zu
  • es ist das für den Organismus unabdingbare physiologische Feuer
  • es stellt die Wärme für alle Körperfunktionen bzw. die dafür notwendige Dynamik bereit
  • hier könnte man von einem Widerspruch zwischen der Theorie der fünf Wandlungsphasen und dem Konzept Ming Men sprechen
  • es sind dies aber nur zwei verschiedene Sichtweisen desselben Problems
  • klinisch relevanter ist die Mingmen-Theorie

In der von der westlichen Medizin beeinflussten modernen Schule der TCM ist ein weiterer Bezug zur Diskussion gestellt worden. Es liegt natürlich nahe, wenn man von den anatomischen Gegebenheiten ausgeht, Niere und Nebenniere mit chinesischen Vorstellungen in Einklang zu bringen. Das würde bedeuten, dass man das Ming Men als eine Art Zentrum hormoneller Steuerung begreift.
Wem das als Hilfskonstruktion dient, der möge dieses Bild benutzen.

Funktionen:

Das Ming Men verschafft dem Yuan Qi die Dynamik, die es braucht, um seine Aufgaben wahrzunehmen. Fehlt dieser Beitrag, führt das zu einem allgemeinen Mangel an Qi und Xue. 
Eigentlich ist das Ming Men die Wurzel des physiologischen Feuers, d.h. die Dynamik aller Funktionskreise wird von hier aus ausgelöst. Im besonderen wärmt es das ganze untere Calorium und den Funktionskreis der Blase, was die Umwandlung und Ausscheidung der Flüssigkeiten erst ermöglicht. Außerdem entsteht durch diese Erwärmung erst das Wei Qi. Wenn die Wärme des Ming Men hier nicht ausreicht, kommt es zu Feuchtigkeitsansammlungen (z.B. Ödeme). 
Ganz speziell abhängig vom Ming Men sind die Funktionskreise der Milz und des Magens. Sie können erst mit dieser Unterstützung ihre Trennungs- und Transportaufgabe übernehmen. Die Konsequenzen einer Störung (Durchfall, Kältegefühl, Kalte Extremitäten, Müdigkeit) kennen wir schon. Eine ganz wichtige Rolle kommt dem Ming Men im Bereich der Sexualfunktionen zu. Es wärmt das Jing und den Uterus, wodurch Pubertät, Fertilität und Menstruation gesteuert werden. 
Ist die Wärmefunktion des Ming Men gestört, treten Kälte-Symptome auf: Leukorrhö, Infertilität und Potenzschwäche. 

Das Ming Men hat natürlich einen Bezug zum Yang der Niere und ist damit involviert in die Aufnahme von Qi und in die Wechselbeziehung von Funktionskreis der Lunge und Funktionskreis der Niere. An diese Beziehung ist etwa bei der Therapie des Asthma zu denken.

In den klassischen Texten heißt es, dass das Ming Men den Funktionskreis des Herzens unterstütze, das Shen zu beherbergen. Wiederum läuft der Zusammenhang über das physiologische Feuer, das dem Funktionskreis des Herzens zur Verfügung gestellt wird. Wichtig ist diese Beziehung, weil damit klar wird, dass dem Ming Men in der Behandlung psychischer Störungen eine Schlüsselrolle zukommt. Da der Funktionskreis des Herzens ohnehin schwer direkt zu erreichen ist, hat man oft gute Resultate, wenn man die Funktion des Ming Men beeinflusst und damit indirekt den Funktionskreis des Herzens steuert. Damit wird die vorher gemachte Aussage, dass psychische Störungen über den Funktionskreis der Niere angegangen werden können, erst richtig verständlich.

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