Zang-Fu-Funktionskreis

Herz-Xin (Zang-Organ)

Funktionen:

• Herrscher des Xue
• kontrolliert die Blutgefässe (Xue Mai)
• manifestiert sich im Gesicht (Mian)
• beherrbergt Shen
• öffnet sich in der Zunge (She)
• kontrolliert den Schweiss (Han)

Emotion:

• Freude (Xi Le)

Pathogener Klimafaktor:

• Hitze (Re)

Der Funktionskreis des Herzens koordiniert im weitesten Sinne. Daraus entsteht die Fähigkeit zu gerichtetem Handeln, selbstbewusstem Auftreten, klarem. vernetztem Denken und Argumentieren. Es geht im eigentlichen Sinne um Persönlichkeitsbildung. Wenn eine Gesamtpersönlichkeit intakt ist, ist der Funktionskreis des Herzens intakt. Umgekehrt sind die Funktionskreise im Gleichgewicht, wenn der Funktionskreis des Herzens im Gleichgewicht ist.

Der Funktionskreis des Herzens ist verbunden mit dem Funktionskreis des Dünndarms, der den Yang-Aspekt des Funktionskreises des Herzens darstellt. Innerhalb des Funktionskreises besteht eine Unterteilung in Yin und Yang, wie das bei jedem Funktionskreis der Fall ist. Der Yin-Anteil entspricht den materiellen Strukturen mit dem Xue des Herzens, der Yang-Aspekt umfasst die Funktion des Funktionskreises und das Herz-Qi. Ein weiterer Bezug besteht zum Funktionskreis des Perikards, der ebenfalls der Wandlungsphase Feuer entspricht. Eine physiologische Gegensteuerung erfährt der Funktionskreis durch den Funktionskreis der Niere.

Der Funktionskreis des Herzens öffnet sich zur Zunge, die sein Sinnesorgan ist.

Die Geschmacksrichtung, die zum Funktionskreis des Herzens gehört, ist das Bittere. Die Eigenschaft des Bitteren ist die Hemmung einer zu starken Aktivität. Es ist in der Lage Feuchtigkeit zu trocknen, eine Eigenschaft, die man sich in der Arzneimitteltherapie zunutze macht. Dazu hat das Bittere die Fähigkeit, in bestimmtem Masse Pituita zu wandeln. In zu hohem Masse genossen hemmt es die Aktivität.

Das dem Funktionskreis des Herzens zugeordnete Getreide ist die Hirse (Shu).

Die zum Funktionskreis gehörige Farbe ist rot.

Hitze ist der klimatische Faktor, der dem Funktionskreis des Herzens entspricht und der den Funktionskreis des Herzens am stärksten beeinträchtigt. Diese Aussage stimmt indessen nur bedingt, da der Funktionskreis des Herzens direkt eigentlich gar nicht geschädigt werden kann. Es ist der ebenfalls zur Wandlungsphase Feuer gehörige Funktionskreis des Perikards, der unter der Hitze-Attacke leidet.

Von den Pulsen ist der überflutende Puls (Hong Mai) derjenige, der den Funktionskreis des Herzens darstellt.

Funktionen im Detail

1.) Kontrolle des Xue und der Gefässe

Der Zustand der Gefässe, der Transportwege von Qi, Xue und Körpersäften ist abhängig vom Zustand des Funktionskreises Das Xue, das in den Gelassen und Leitbahnen fliesst, nährt den Körper. Ist der Körper gut mit Xue versorgt, ist die Haut rosa, glänzend und voller Lebenskraft, die Adern sind gut mit Blut gefüllt und der Puls ist kräftig. Die Umwandlung des Qi, das der Nahrung entzogen wird, in Xue geschieht im Funktionskreis des Herzens. Die Bewegung des Xue ist eine weitere Aufgabe des Funktionskreises des Herzens. Das Herz-Qi ist für den Pulsschlag verantwortlich, der Motor aber dieser Bewegung ist das Zong Qi. Der Funktionskreis der Lunge ist demnach in diesen Zusammenhang eingebunden. Er ist für den Rhythmus bzw. die Taktgebung verantwortlich. Dies suggeriert eine Nähe zur westlichen Vorstellung vom Blutkreislauf. Natürlich ist der Blutkreislauf mitgedacht, jedoch ist das chinesische Konzept viel komplexer. Weitere Funktionskreise sind in den Kreislauf des Blutes im westlichen Sinne involviert. Die Chinesen wussten lange vor Harvey, dass die Zirkulation der Säfte und insbesondere des Blutes bestimmten Gesetzen gehorcht. Das chinesische Modell ist dynamisch und nicht allein an die Substantialität des Blutes gebunden. So fliesst nach chinesischer Vorstellung das Xue eben nicht in den Adern, sondern in den Leitbahnen. Es ist 

unsinnig, die chinesische und die westliche Vorstellung gegeneinander ausspielen zu wollen, da hier nicht Gleiches mit Gleichem verglichen wird. Der Zustand der Gefässe, der Transportwege von Qi, Xue und Körpersäften ist abhängig vom Zustand des Funktionskreises des Herzens. Der Funktionskreis des Herzens ist für die Qualität des Pulses verantwortlich. Für die rhythmische Bewegung in den Gefässen ist der Funktionskreis der Lunge, für die Gefässwände der Funktionskreis der Milz zuständig. Die Durchgängigkeit der Leitbahnen gewährleistet der Funktionskreis der Leber. Für das, was transportiert wird, ist letztlich der Funktionskreis der Niere verantwortlich.
Da aber der Puls in direktem Zusammenhang mit dem Funktionskreis des Herzens steht, kann dessen Zustand über den Puls bestimmt werden. Die Qualität des Pulses gibt Aufschluss über den Zustand des Herz-Qi, aber auch über die Qualität des Xue.
Ziel der Therapie ist es, ein optimales Funktionieren der Funktionskreise zu gewährleisten. Im Falle des Funktionskreises des Herzens bedeutet dies, das Qi in Bewegung zu bringen, damit die Leitbahnen frei werden. Eine Möglichkeit ist hier die Nadelung des Punktes Tai Yuan (Pe 9), der als Hui-Punkt der Leitbahnen gilt.

2.) Sitz des Shen

Im Su wen heisst es (Kap. 8): „Der Funktionskreis des Herzens ist der Funktionskreis des herrschenden Königs, das Shen kommt daraus hervor.“
Das Shen ist gleichbedeutend mit der Kohärenz der Persönlichkeit. Es formt die äussere Erscheinung, die geistigen Kräfte, das Bewusstsein, das Gemüt, die mentale Aktivität, die Spiritualität. Es ist die konstellierende Kraft im Menschen. Ist es intakt, sind Geist, Gedächtnis, Denken und Schlaf in Ordnung. Es ist das Bild eines klaren Geistes. Hier ist nun der Ort, etwas detaillierter auf die Vorstellungen, die sich die TCM von den psychischen Strukturen macht, einzugehen.
Porkert bezeichnet Shen als konstellierende Kraft, als das, was „einem gegebenen Kraftgefüge, einem Qi, einer energetischen Konstellation ihr charakteristisches Gepräge“ gibt (Porkert, Die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin p.17). Damit ist klar, dass Shen ein Yang-Aspekt ist, was nicht erstaunt, wenn man weiss, dass sein Sitz im Funktionskreis des Herzens ist. Das Shen besteht nach dem Tode weiter und kehrt nach einer alten Vorstellung als überindividueller Anteil des Menschen in den Himmel zurück.
Der entsprechende Yin-Aspekt ist Ling, die Reaktivkraft, die Fähigkeit auf Einflüsse reagieren zu können. Wie soll man dies aber in Begriffen fassen, die der alltäglichen Erfahrung entstammen? Man hat Shen auch schon mit Intellekt übersetzt, aber dies ist nur ein Teilaspekt. Die anderen Funktionskreise haben durchaus etwas zum Intellekt beizutragen. Ein Übersetzungsvorschlag ist „Gesamtpersönlichkeit“, was alle 

mentalintellektuellen Fähigkeiten, aber auch die emotionalen und spirituellen bzw. transzendenten Aspekte mit einbezieht. In diesem Sinne ist das Shen dann auch nicht auf den Funktionskreis des Herzens beschränkt, sondern ist etwas der ganzen Individualität eines Menschen Eigenes. Das heisst auch, und das meint die TCM ebenfalls, dass wir in allen Funktionskreisen Anteile des Shen vorfinden werden. Das Shen ist in gewissem Sinne der Repräsentant des Dao im Menschen. Deshalb auch konstelliert letztlich der Funktionskreis des Herzens alle andern Funktionskreise. Man kann also feststellen, dass zu jedem Funktionskreis ein Shen-Anteil gehört, beziehungsweise, dass jeder Funktionskreis einen psychischemotionalen Aspekt hat, der eine besondere Bezeichnung führt. Während dieser Aspekt beim Funktionskreis des Herzens nicht mehr speziell benannt wird, so heisst er beim Funktionskreis der Leber Hun, beim Funktionskreis der Lunge Po, beim Funktionskreis der Niere Zhi und beim Funktionskreis der Milz Yi.

Eine besondere Bedeutung kommt der Achse Feuer-Erde-Wasser zu. Das bedeutet im medizinischen Bereich die Funktionskreise des Herzens, der Milz und der Niere. Wenn das De (Himmel) das Qi (Erde) induziert, wird die Intuition im Funktionskreis der Niere als Zhi gespeichert.
Das Zhi (Willenskraft) erzeugt das Nachdenken (Yi), und dies wiederum führt zu einer intakten Persönlichkeit, zum Shen.

Beziehungen des Funktionskreises des Herzens

1.) Freude als Emotion

Die psychischemotionale Äusserung des Funktionskreises des Herzens ist Lust, Lebensfreude. Dem entspricht das Lachen oder noch präziser das Lächeln. Die Verletzung der Norm unangebrachtes Lachen weist auf eine Beeinträchtigung des Funktionskreises des Herzens. Als ausgeglichene Emotion ist die Freude dem Funktionskreis des Herzens förderlich. Übermässige Freude kann den Funktionskreis des Herzens massiv schädigen.

2.) Kontrolle des Schweisses

In einem klassischen Text heisst es: „Der Schweiss ist die Flüssigkeit des Funktionskreises des Herzens.“ Dies erstaunt nicht, denn der Schweiss gehört zu den klaren Säften, Er stellt damit eine Äusserungsform des Xue dar. Der Schweiss zirkuliert unter der Haut. Seiner Entstehung aus den Körpersäften sind wir schon nachgegangen. Ob er gehalten werden kann, hängt weitgehend vom Herz-Qi und vom Herz-Yin ab. Ist das Herz-Qi defizient, kommt es zu spontanen Schweissausbrüchen. Liegen 

die Probleme beim Herz-Yin, sind Nachtschweisse die Folge. Man muss sich aber immer fragen, wo die Ursachen dieser Schwächen liegen.
Hier ist noch einmal zu betonen, dass aus der Sicht der TCM exzessives Schwitzen unerwünscht ist. Durch übermässiges Schwitzen werden das Xue, das Qi und das Yang des Funktionskreises des Herzens und die Säfte geschwächt.

3.) Die Körperstruktur des Funktionskreises des Herzens sind die Gefässe

Sie spiegelt sich im Gesicht. Da der Funktionskreis des Herzens die Gefässe kontrolliert, ist es leicht verständlich, dass die Gefässe ihm als Körperstruktur zugeordnet werden.
Eine weitere Eigenschaft des Funktionskreises des Herzens ist schliesslich auch vom Zustand der Gefässe abhängig: die Manifestierung im Gesicht. Das Su wen formuliert diesen Zusammenhang folgendermassen: „Der Funktionskreis des Herzens hat seine äussere Manifestierung im Gesicht.“ Alle YangLeitbahnen führen zum Gesicht, so dass eine Darstellung des Zustandes aller Leitbahnen im Gesicht möglich wird, denn über die Leitbahnen wird das Gesicht mit Qi und Xue versorgt.

Insbesondere einen Xue-Mangel oder eine Xue-Stase erkennt man gut auf dem Gesicht durch einen blassen, bzw. bläulichvioletten Teint. Hitze äussert sich in einer roten Gesichtsfarbe. Man darf aber wieder nicht vergessen, dass ein Symptom nicht ausreicht für einen Befund.
Das Kopfhaar ist zwar der Spiegel des Funktionskreises der Niere. Da das Xue aber für die Nährung des Haares zentral ist, hat der Funktionskreis des Herzens auch einen Bezug zur Haarqualität und zur Haarfarbe. Beteiligt sind alle in die Xue-Produktion, Xue-Bewegung und Xue-Speicherung involvierten Funktionskreise.

4.) Der Funktionskreis des Herzens öffnet sich zur Zunge

In den klassischen Texten heisst es: „Das Herz öffnet sich zur Zunge.“ Es gibt eine innere Verbindung vom Herz zur Zunge. Beweglichkeit, Aussehen, Form und Farbe geben Auskunft über die Intaktheit des Funktionskreises des Herzens. Dies gilt in besonderem Masse von der Zungenspitze. Da das Herz die Gefässe und Leitbahnen beherrscht, ist auf diesem Umweg der Zustand aller Funktionskreise zu erfahren. Die Leitbahn des Herzens weist ausserdem eine direkte Verbindung zur Zunge.

Die normale Zunge ist blassrot und mit einem dünnen weisslichen Belag. Der Geschmackssinn, der ebenfalls dem 

Funktionskreis des Herzens untersteht, arbeitet normal. Was die Abweichungen von der Norm bedeuten und wie sie der Pathologie der einzelnen Funktionskreise entsprechen, wird im Zusammenhang der Zungendiagnose ausführlich besprochen.
Die Verbindung der Zunge mit dem Funktionskreis des Herzens bedeutet auch, dass dieser einen grossen Einfluss auf die Sprache und das Sprechvermögen hat. Deshalb werden Stottern, Aphasie, aber auch die Logorrhö weitgehend als eine Folge einer Schädigung des Funktionskreises des Herzens gewertet.

Speicher-Zang-Organ

Der Herz-Meridian gehört zu den sogenannten Speicher-Zang-Organen.
Das chinesische Schriftzeichen für Zang beinhaltet „Fleisch“ und „Speichern“.
Unterschieden werden fünf Speicherorgane (Wu Zang): Herz (Xin), Leber (Gan), Nieren (Shen), Milz (Pi), Lunge (Fei).
Die Zang-Organe sind verantwortlich für die Aufnahme, Transformation, Produktion, Speicherung, Freisetzung und Regulation der „vitalen Substanzen bzw. Funktionen“ von Qi, 

Blut-Xue, Essenz-Jing und Flüssigkeiten-Jin-Ye sowie Geist-Shen. In Relation zu den Fu-Organen gehören sie eher zum Yin-Aspekt des Körpers. Sie kommunizieren nicht direkt mit der Außenwelt. Jedem Zang-Organ kann nach der Zang-Fu-Theorie ein bestimmter Charakter, bestimmte Funktionen, ein Körpergewebe sowie ein Öffner (meist ein Sinnesorgan), nach der Fünf-Phasen-Theorie auch ein Sekretionsmedium, eine Emotion sowie ein Klimafaktor (auf den es besonders empfindlich reagiert) zugeordnet werden.

Zuordnungen

Wandlungsreich: Feuer
Himmelsrichtung: Süd
Geschmacksrichtung: bitter
Jahreszeit: Sommer
Umwandlung: Wachstum
Tageszeit: Mittag
Witterung: Hitze
Wandlungsphase: starkes Yang
Zang-(Yin / Speicher-)Organ: Herz
Fu-(Yang- / Hohl-)Organ: Dünndarm
Sinne: sprechen
Sinnesorgan: Mund
Körpergewebe: Blutgefäße
Emotion: Freude
Körperflüssigkeit: Schweiß
Lautäußerung: lachen

Organuhr

11 bis 13 Uhr – Herzmeridian (Yin) – Kaiserliches Feuer
19 bis 21 Uhr – Perikardmeridian (Yin) – Ministerielles Feuer
13 bis 15 Uhr – Dünndarmmeridian (Yang) – Kaiserliches Feuer
21 bis 23 Uhr – Dreifacher-Erwärmer-Meridian (Yang) – Ministerielles Feuer

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